Wie viel Prozess verträgt eine agile Agentur?

Wie viel Prozess verträgt eine agile Agentur?
Am Anfang ist alles einfach. Ein kurzer Anruf, eine schnelle Entscheidung, und schon läuft es. Keine Formulare, keine Freigabeschleifen, kein „Das müssen wir erst intern abstimmen“. Genau das schätzen unsere Kunden an uns: Wir sind schnell, unkompliziert und nah dran.
Und dann wächst man. Aus einem Projekt werden mehrere. Aus einer Handvoll Leuten wird ein Team, das über ganz Deutschland verteilt ist. Und irgendwann merkt man: Das, was mit drei Leuten wunderbar funktioniert hat, trägt mit siebzehn nicht mehr.
Informationen gehen verloren. Neue Kolleg:innen fragen zum dritten Mal dasselbe. Zwei Leute erledigen parallel die gleiche Aufgabe, eine dritte bleibt liegen. Spätestens dann ist klar: Wir brauchen Prozesse.
Genau an diesem Punkt stehen wir bei 2bs salesconsult gerade. Und weil wir glauben, dass viele Unternehmen diese Phase kennen – im eigenen Vertrieb oder im ganzen Betrieb –, teilen wir hier ehrlich, wie wir eine Frage für uns beantworten, die uns gerade intensiv beschäftigt: Wie viel Prozess verträgt eine agile Agentur?
Warum es ohne Prozesse nicht geht
Lassen wir es gar nicht erst romantisch klingen: Flexibilität ohne Struktur ist auf Dauer kein Vorteil, sondern Chaos. Wer schnell wächst, braucht ein Fundament, auf das sich alle verlassen können.
Für uns heißt das vor allem:
• Neue Leute müssen schnell ankommen. Wenn wir in kurzer Zeit viele Menschen einstellen, kann nicht jedes Onboarding improvisiert sein.
• Unsere Kunden brauchen Verlässlichkeit. Ein Reporting, das mal so und mal so aussieht, schafft kein Vertrauen.
• Das Team braucht Orientierung. Gerade wenn man sich selten persönlich sieht, müssen Ziele, Rollen und Zuständigkeiten klar sein.
Prozesse sind also kein notwendiges Übel. Richtig gemacht, geben sie Sicherheit –und schaffen damit erst den Freiraum, flexibel zu bleiben.
Die Gefahr: Wenn wir uns selbst im Weg stehen
Und jetzt kommt der Haken. Prozesse haben die Angewohnheit, sich zu vermehren. Erst ist es eine Checkliste. Dann ein Freigabeschritt. Dann ein wöchentliches Abstimmungsmeeting, das irgendwann niemand mehr hinterfragt.
Plötzlich dauert eine Entscheidung drei Tage statt drei Minuten. Und das Ironische daran: Wir würden genau die Schwerfälligkeit aufbauen, vor der wir unsere Kunden eigentlich bewahren wollen.
Die typischen Warnsignale kennen wir inzwischen gut:
• Ein Prozess existiert, weil er „schon immer so war“ – nicht, weil er hilft.
• Mitarbeitende fragen lieber um Erlaubnis, als selbst zu entscheiden.
• Es wird mehr dokumentiert als verkauft.
• Kunden warten auf uns, weil wir intern noch abstimmen.
Das Gefährlichste daran: Es passiert schleichend. Niemand führt Bürokratie absichtlich ein. Sie entsteht aus lauter gut gemeinten Einzelentscheidungen. Und genau deshalb muss man sie bewusst im Blick behalten.
Unsere vier Leitfragen für jeden Prozess
Um nicht in diese Falle zu tappen, stellen wir jedem neuen – und jedem bestehenden – Prozess vier einfache Fragen:
1. Macht uns das schneller oder langsamer? Ein guter Prozess spart auf Dauer Zeit, statt sie zu kosten. Wenn er uns ausbremst, muss er sehr gute Gründe haben.
2. Hilft es dem Kunden – oder nur uns? Vieles, was intern ordentlich wirkt, merkt der Kunde nie. Was ihm keinen Mehrwert bringt, darf zumindest nicht zu seinen Lasten gehen.
3. Würde das Team ihn vermissen, wenn er weg wäre? Das ist vielleicht unsere ehrlichste Frage. Wenn die Antwort „Nein“ lautet, ist der Prozess wahrscheinlich überflüssig.
4. Gibt er Orientierung – oder nimmt er Verantwortung ab? Wir wollen, dass unsere Leute mitdenken und selbst entscheiden. Ein Prozess soll den Rahmen setzen, nicht das Denken ersetzen.
So gehen wir bei 2bs vor
Wir haben kein perfektes System gefunden – und glauben auch nicht, dass es eins gibt. Aber ein paar Grundsätze haben sich für uns bewährt:
Klare Regeln für das Wichtige, Freiraum für den Rest
Nicht alles muss geregelt sein. Wir konzentrieren uns auf die Abläufe, die wirklich zählen: Onboarding, Kundenkommunikation, Reporting. Alles andere darf jedes Team so lösen, wie es am besten passt. So entsteht Verlässlichkeit, ohne dass Eigeninitiative verloren geht.
Prozesse entstehen mit dem Team, nicht für das Team
Wer jeden Tag beim Kunden ist, weiß am besten, was hilft und was nervt. Deshalb entwickeln wir Abläufe gemeinsam mit den Menschen, die damit arbeiten. Das dauert manchmal etwas länger – sorgt aber dafür, dass Prozesse auch gelebt werden.
Regelmäßig ausmisten
Was vor einem halben Jahr sinnvoll war, kann heute überflüssig sein. Wir schauen deshalb regelmäßig auf unsere Abläufe und fragen uns: Was brauchen wir noch? Was können wir vereinfachen? Was streichen wir? Ein Prozess, der abgeschafft wird, ist für uns kein Scheitern, sondern ein Zeichen, dass wir aufmerksam bleiben.
Der Kunde merkt nichts von unserer Bürokratie
Egal, wie viel wir intern organisieren: Nach außen bleiben wir ansprechbar, schnell und unkompliziert. Wenn ein Kunde anruft, gibt es eine Antwort – nicht ein „Wir melden uns, sobald wir intern abgestimmt haben“.
Vertrauen vor Kontrolle
Gerade weil unser Team über ganz Deutschland verteilt ist, könnten wir versucht sein, alles zu kontrollieren. Wir tun es bewusst nicht. Wir setzen auf klare Ziele und regelmäßigen Austausch– und vertrauen darauf, dass unsere Leute den Weg dorthin selbst gestalten.
Fazit: So viel Prozess wie nötig, so viel Freiheit wie möglich
Wachstum braucht Prozesse – daran führt kein Weg vorbei. Aber Prozesse sind kein Ziel, sondern ein Werkzeug. Sobald sie uns langsamer machen, als wir sein müssten, oder unseren Leuten das Mitdenken abnehmen, stehen wir uns selbst im Weg.
Für uns ist das kein abgeschlossenes Projekt, sondern eine Haltung: immer wieder hinschauen, ehrlich hinterfragen und mutig vereinfachen. Denn die Flexibilität, für die uns unsere Kunden schätzen, ist kein Zufall. Sie ist etwas, das wir bewusst schützen.
Du stehst vor einer ähnlichen Frage?
Vielleicht wächst Dein Vertrieb gerade schneller als Deine Strukturen. Oder Du hast das Gefühl, dass Abläufe Dein Team eher bremsen als stärken. Wir kennen beide Seiten aus eigener Erfahrung.
Lass uns sprechen – ehrlich, unkompliziert und ohne Prozessfolien.
